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Guild Wars 2: Reisen in Tyria – Kapitel drei

Auf der offiziellen Guild Wars 2 Seite wurde nun ein neuer Artikel veröffentlicht, welcher den Namen „Reisen in Tyria – Kapitel drei“ veröffentlicht. Im Mittelpunkt dabei steht die MomoCon. Dort hielten Narrative Director Leah Hoyer und Narrative Designer Ross Beeley ein Panel zu den Grundlagen des Narrative Designs ab.

Reisen in Tyria – Kapitel drei

Zusammen mit dem Publikum wurde ein grundlegendes Konzept für einen neuen Charakter mit dem Namen Vikki geschaffen. Diese Protagonistin begibt sich auf eine Reise, um ihren treuen Moa Momo zu retten.

GW2 MitarbeiterArenaNET zu Reisen in Tyria – Kapitel drei (Quelle)

Erst an der Wegmarke nahe des Mabon-Markts fiel mir auf, dass Momo hinkte.

Ich führte sie zu der großen Brücke, die das Festland mit dem Tor der Tengu verband. Ich hatte ein ungutes Gefühl. Sie wirkte zwar nicht träge oder schlapp, schien aber hauptsächlich ein Bein zu belasten. Ich sagte mir, dass sie sich sicher nur einen Kiesel eingetreten hatte und es keinen Grund zur Sorge gab. Mein Kopf reimte sich aber unzählige furchtbare Erklärungen zusammen.

Als ich sie untersuchte, ratterte ein Tengu-Kaufmann mit seinem Leiterwagen an uns vorbei. Eine kleine Herde Moas begleitete ihn. Momo zog in Richtung der Moas und trällerte. Es war gar nicht so leicht, sie in Zaum zu halten. Vielleicht habe ich sie doch nicht so gut erzogen, wie ich dachte.

Ich setzte mich und nahm ihren Fuß in meinen Schoß. In der Unterseite ihrer Zehen steckten Metallsplitter. Als ich sie abreiben wollte, stach mich etwas in den Daumen. Ich beugte mich vor. Draht? Vielleicht war Momo bei der Schrott-Auktion in irgendetwas getreten.

Momo pfiff leidend. „Ich weiß, du magst es nicht gerne, wenn man sich an deinen Füßen zu schaffen macht.“, sagte ich zu ihr. „Es dauert auch nur eine Sekunde.“.

Der Draht war zu kurz, um ihn mit den Fingern herauszuziehen. Ich hatte aber keine Pinzette oder feineres Werkzeug zur Hand. Ich klemmte den Draht zwischen meinen Fingernägeln ein und zupfte daran. Arme Momo – das Ding saß fest!

Momo versuchte, ihren Fuß wegzuziehen. Jetzt war Eile geboten, bevor sie den Schnabel voll hatte und nicht mehr still hielt. „Schhh, nur ein bisschen noch …“

Ich zog fest am Draht. Dann geschah alles auf einmal: Der Draht war heraus, ich fiel rücklings auf mein Steißbein und meine Brille viel scheppernd zu Boden. Momo quakte und ich hatte sofort ein schlechtes Gewissen.

„Momo!“ Ich tastete hektisch nach meiner Brille. Wo war sie nur? Alles war verschwommen. Ein rosa Klecks taumelte die Brücke entlang und entfernte sich von mir. „Momo, komm zurück!“

Es dauerte ein paar Minuten, bevor ich meine Brille fand. Momo konnte nicht weit gekommen sein. Allerdings … die einzige Richtung, in die sie gelaufen sein konnte, war das Herrschaftsgebiet der Winde. Angeblich erschossen die Tengu während des Angriffs auf Löwenstein ohne Erbarmen jeden, der sich zu nahe an das Tor wagte. Würden sie einem wehrlosen Moa wehtun? Ich setzte die Brille auf und rannte los.

Das Brückengeländer war zu hoch für Momo. Sie konnte also nicht ins Wasser gesprungen sein. In der Nähe der Mauer war sie auch nicht zu sehen. Dafür erblickte ich zwei Tengu-Wachen, die verstummten und eine Abwehrhaltung einnahmen, als sie mich bemerkten.

„Moa“, keuchte ich und kam schlitternd zum Stehen. „Rosa.“

Die Tengu sahen sich an. Eine der Wachen war schlank und trug eine blaue Tunika. Die andere Wache trug braune Kleidung und wirkte ein wenig älter. „Keinen Schritt weiter“, sagte der Schlanke. „Was wollt Ihr von uns?“

Ich holte Luft und versuchte es erneut. „Ein rosa Moa. Sie ist mir entlaufen. Sie ist in diese Richtung gerannt und …“ Ich hob meinen Kopf und hielt nach ihr Ausschau. Vielleicht versteckte sie sich in einem der Blütensträucher oder war das kurze Stück Küste in der Nähe des Tors entlanggelaufen. Doch es war nichts zu sehen.

Dann fiel mein Blick auf das Tor. Ich schaute nach oben … weiter … und weiter. Mir wurde schwindelig. Es kam mir so vor, als atmete ich lauter. Ganz so, als hätte die Größe des Tors die anderen Geräusche verschluckt. Das Tor war wie die Würfel in Rata Sum: wunderschön, aber zu groß. Ungeheuer groß.

„Euer Moa?“, fragte der schlanke Tengu und holte mich aus meinen Gedanken.

„Ja. Habt Ihr sie gesehen? Sie ist ungefähr so groß wie Euer Bogen, knallrosa und trägt ein Stachelhalsband. Ihr Name ist Momo. Sie ist meine…“

Der ältere Tengu hob seine mit Krallen versehene Hand. „So einen Moa haben wir nicht gesehen.“

„Aber sie muss hier vorbeigekommen sein.“ Ich wusste nicht, warum sie lügen sollten, aber … „Ich habe sie gleich hier am anderen Ende der Brücke verloren.“

„Hier ist kein solcher Moa“, wiederholte der Tengu. Die Federn auf seinem Kopf sträubten sich. „Geht jetzt, bitte.“

„Aber …“

Der schlanke Tengu sah mich an. „Ich habe vielleicht so einen Moa gesehen.“

„Hayato“, sagte der Ältere. Ich erkenne eine Warnung, wenn ich sie höre.

„In der Herde des Kaufmanns waren ein oder zwei rosa Moas.“

Mein Magen verkrampfte sich. „Sie muss sich unter die Herde gemischt haben! Ich möchte Euch keine Umstände bereiten, aber Momo ist alles, was ich habe. Ich könnte mir nie verzeihen, wenn ich sie verliere.“

Die Tengu rückten ihre Köpfe zusammen und unterhielten sich im Flüsterton.

„Ach, komm schon“, sagte der Tengu namens Hayato. „Das ist sicher ihre Tiergefährtin.“

Die andere Wache wandte sich ab. „Mach doch, was du willst. Ich halte mich da raus.“

Hayato ging auf mich zu. „Ein fremdes Tier im Adlerhorst zu lassen, wäre keine gute Idee. Sie trägt ein Stachelhalsband, sagtet Ihr?“

„Ja.“ Es lag eine seltsame Spannung in der Luft, aber ich war zu besorgt, um mich zu fürchten. „Und Knöchelschoner.“

„Könnt Ihr ohne Eure Gläser sehen?“

„Ohne meine Brille? Nein, nicht so gut.“

„Bitte geht zurück zur Wegmarke und nehmt sie ab. Dann dreht Euch um. Und wartet.“

Ich nickte und holte tief Luft. Ich drehte mich um und ging auf die Brücke zu.

Als ich die Wegmarke erreichte, nahm ich meine Brille ab und wartete. Es fiel mir schwer, Hayatos Anweisungen zu befolgen und mich umzudrehen, doch Momos Leben stand womöglich auf dem Spiel. Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging, doch ich lehnte mich gerade an einen Stein, als ich ein „Hallo!“ vernahm.

Ich drehte mich um. Ein blauer und ein rosa Klecks kamen auf mich zu. Ich hörte Momo piepsen. Mir fiel gerade noch ein, meine Brille aufzusetzen, bevor ich auf sie zustürmte.

„Danke! Vielen Dank!“ Ich vergrub mein Gesicht in Momos Gefieder. Sie zupfte an meinen Haaren und war ganz entspannt dabei. „Es tut mir leid für all die Umstände. Ich weiß gar nicht, wie ich Euch danken soll!“

Hayato hockte sich neben uns hin und kraulte Momo unterm Schnabel. „Am besten dankt Ihr mir, indem Ihr nie wieder so nahe am Tor vorbeilauft.“

Die Mimik des Tengu war mir zwar ein Buch mit sieben Siegeln, doch Hayatos Ton war todernst. Mir wurde klar, dass er etwas Enormes für mich getan hatte. Es kam mir so vor, als stünde ich wieder vor dem Tor, das alle Geräusche absorbierte.

„Ich verstehe.“ Ich schluckte. „Vielen Dank.“

„Und versprecht mir,“ sagte Hayato trocken, als er davonging, „dass Ihr keinen Apparat erfindet, mit dem ihr Moas das Sprechen beibringt.“

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