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Guild Wars 2: Neue Kurzgeschichte zum Update erschienen

Scott McGough ist seines Zeichens der Hauptverantwortliche für Hintergrundgeschichten und Story-Bezüge in Guild Wars 2. Seit heute morgen finden wir eine neue Kurzgeschichte zum kommenden Mai-Update, welches bereits am 28. Mai online gehen soll. Die Erweiterung mit dem Titel: „Das letzte Gefecht auf Südlicht“ bietet neben einer umfangreichen World vs. World Erweiterung auch wieder eine packende lebendige Geschichte, in der die Hauptfigur Canach eine entscheidende Rolle spielen soll. Wir haben für Euch das kurze Intermezzo von McGough im folgenden aufgeführt.

Eine Begegnung mit Canach

GW2 MitarbeiterGW2 Seite zu Offizielle GW2 Seite (Quelle)

Man sah dem nachrangigen Unternehmensleiter Blingg den Unmut an, als er den Pfad zu seiner Haustür entlang stampfte. Seine Firmenunterkunft als „bescheiden“ zu beschreiben, wäre viel zu großzügig. Bruchbude war der Begriff, den er benutzte. Die Fürsorge des Konsortiums für seine Angestellten hing von deren Vorjahresleistung ab und nach allem, was man so hörte, rechtfertigte Blinggs Vorjahresleistung anstatt eines Hauses maximal einen Skritt-Bau.

„PJE Blingg, bin wieder zu Hause“, rief er. Er hatte auf die harte Tour gelernt, dass der vom Konsortium gestellte Sicherheitsgolem ihn zu Boden schlagen und so lange auf seinen Ohren stehen würde, bis er seine Identität überprüft hatte, wenn er sich nicht vor dem Öffnen der Tür anmeldete. Manche Führungskräfte betrachteten solche Golems als Sonderzulagen. In Blinggs Fall handelte es sich eher um einen Strafaufseher/Spion/Schläger, der ihm als Belohnung für sein grottenschlechtes Jahr aufs Auge gedrückt worden war.

In Blinggs Bruchbude war es still. „Hast du denn nicht gehört? Ich bin zu Ha…“ setzte er an, als ein schwer besohlter Stiefel im Rücken des Asura landete und ihn über den rauen Holzboden schlittern ließ. Die Tür schlug zu und ließ Bling in der Dunkelheit mit zerschundenem Gesicht und vor Angst zugeschnürter Kehle nach Luft ringen.

„Subdirektor Blingg.“ Die Stimme war sanft, kultiviert und beunruhigend gelassen. Blingg erkannte den Sprecher und versuchte, die in ihm aufsteigende Panik zu unterdrücken.

„Canach?“, krächzte Blingg.

Eine Begegnung mit Canach

Der Eindringling entfachte ein Streichholz und sein kaltes, ausdrucksloses Gesicht wurde sichtbar. Es war tatsächlich Canach, und der Sylvari-Söldner sah in Wirklichkeit genauso unerbittlich aus wie in Blinggs Erinnerung.

Als er sah, dass Blingg ihn erkannt hatte, löschte Canach mit einem kurzen Handbewegung das Streichholz aus. Im Zimmer wurde es wieder dunkel.

„Noll.“ Blingg hatte nicht gehört wie der Sylvari sich bewegte, aber Canachs Stimme kam flüsterte jetzt hinter ihm, direkt an seinem linken Ohr. „Wo ist er?“

Blingg hatte große Mühe, eindrucksvoll zu klingen. „Ich, äh – das kann ich Euch nicht sagen. Letztes Mal wurde ich dafür degradiert.“

„Noll“, wiederholte Canach und unterstrich das Wort mit dem metallischen Geräusch des Dolches, den er aus seiner Scheide zog. „Wo? Letzte Woche lauerte mir schon wieder ein freischaffendes Stilllegungsteam auf. Zwei Menschen und ein Charr wollten sich meinen Kopf holen und richteten mir aus, dass mich Noll angeblich grüßen lässt.

„Das hat nichts mit mir zu tun.“ Blingg hoffte inständig, dass seine Stimme für Canach unerschrockener klang als für ihn selbst. „Und wo ist mein Golem? Ich bin für ihn verantwortlich.“

„Vergesst den Golem.“ Canach entfachte ein weiteres Streichholz hinter Blingg und warf es über den Kopf des Asura zu Boden. Es landete neben einem Sack aus grobem Stoff, der zwischen Blingg und der Tür lag und so groß war, dass Blingg ihn nur über seine Schulter geschlungen hätte tragen können. Der Sack enthielt drei unregelmäßige Formen, und durch einen kleinen, dunklen Fleck in seinem Boden tropfte eine Flüssigkeit, die auf dem Boden eine Pfütze bildete.

„Noll wird nicht den Kopf bekommen, auf den er gewartet hat. Stattdessen habe ich die hier für ihn.“

Eine Begegnung mit Canach

Das Streichholz flackerte und erlosch langsam, während Blingg weiter das grauenhafte Bündel anstarrte und dabei ein Paar Hörner fixierte, die eine Seite des Sacks durchbohrt hatten. Er überlegte, was er sagen konnte, ohne mit durchgeschlitzter Kehle zu enden. „Oh“, fiel ihm schließlich ein.

„Sie haben mich unterschätzt. Und jetzt werde ich ein paar Angelegenheiten mit unserem alten Kollegen begleichen. Entweder Ihr gebt mir etwas, mit dem ich etwas anfangen kann, oder ich werde einen Teil von Euch mitnehmen.“

„Südlicht-Bucht.“ Blingg befeuchtete ängstlich seine Lippen. „Noll richtet Flüchtlingssiedlungen ein, um den unglückseligen Opfern der Feurigen Allianz einen Neuanfang zu ermöglichen.“

„Das bedeutet, dass sie nicht genug Pauschalurlaube zur Insel verkaufen konnten.“ Canach stand so nahe an Blingg, dass dieser das Rascheln seines belaubten Kopfes hören und frisch gemähtes Gras riechen konnte. „Oder dass sie einen neuen Zustrom billiger Arbeitskräfte brauchen.“

„Beides, um genau zu sein.“ Blingg beschloss, dass er die Nacht am ehesten überleben würde, wenn er auspackte. „Und es läuft nicht gut. Die meisten Siedler wären schon wieder abgehauen, wenn sie keine Verträge unterzeichnet hätten.“

Canachs Schweigen in der Dunkelheit war qualvoll lange, bis er schließlich fragte: „Diese Verträge. Sind sie auf Südlicht-Bucht?“

„Ja, die Originale. Kopien auch, so wie ich Noll kenne. Er hat sie wahrscheinlich in der Archivabteilung des Hauptquartiers archiviert.“

Blingg hörte, wie Canachs Dolch wieder in seine Scheide zurückglitt. Seine Furcht wurde langsam von Hoffnung zersetzt. „Heißt das, ich darf am Leben bleiben?“

„Fürs Erste.“

Eine Begegnung mit Canach

Die Tür zu Blinggs armseliger Bleibe ging auf und nachlassendes Tageslicht strömte herein. Das blutige Bündel war vom Boden verschwunden, die Pfütze jedoch zurückgeblieben.

Ermutigt blaffte Bling: „Wartet. Was wird aus mir? Dafür, dass ich mit Euch geredet habe, werden sie mich wie eins von Owains Omeletts aufmischen.“

Canach zögerte in der Türöffnung, den grausigen Sack schwer baumelnd in seiner Hand. „Ich habe nicht vor, irgendwem zu erzählen, dass ich hier war. Und Ihr solltet das auch nicht.“

Blinggs Ärger gewann die Oberhand über seinen Selbsterhaltungstrieb und er stieß ein abschätziges, unflätiges Geräusch aus. „Toller Plan. Dann halten wir also einfach die Klappe und hoffen das Beste.“ Er hielt inne, doch als Canach keinerlei Anstalten machte, ihn zu töten, fuhr er fort. „Und was ist mit meinem Golem? Womöglich muss ich für ihn bezahlen …“

„Dann fangt schon mal an zu sparen. Ich habe etwas vor mit Eurem hartnäckigen metallenen Freund. Seid versichert, dass ich eine bessere Verwendung für ihn habe als Ihr jemals könntet.“

Die Tür fiel ins Schloss und im Zimmer wurde es wieder dunkel. Nach einigen Augenblicken atmete Blingg laut aus und ließ sich mit dem Hinterteil auf den Boden fallen. Er könnte den Golem als vermisst melden, behaupten, er hätte weder Ahnung, wohin er gegangen war noch warum und würde dabei die volle Wahrheit sagen. Als ergebener Angestellter des Konsortiums war es außerdem seine Pflicht, unverzüglich eine höherrangige Führungskraft aufzusuchen und seinen ehemaligen Mitarbeiter Noll vor dem zu warnen, was auf ihn zukam. Er sollte unverzüglich aufspringen, direkt zur Zentrale laufen und ihnen alles erzählen.

Stattdessen verzichtete Blingg darauf, die Öllampe auf seinem Nachttisch zu entfachen und tastete im Dunkeln herum, bis er die Flasche mit dem billigen Grog fand, die er unter seinem Bett aufbewahrte.

„Viel Glück Noll“, sagte er laut. Er entkorkte die Flasche, stieß auf das dunkle und leere Zimmer an und nahm einen großen Schluck. Als der brennende Fusel sich seinen Weg nach unten brannte, schüttelte er sich. „Ihr werdet es brauchen.“

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