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Guild Wars 2: Kurzgeschichte zu Blut und Verrücktheit

Guild Wars 2: Kurzgeschichte zu Blut und VerrücktheitDie kreativen Schreiberlinge von ArenaNET haben mal wieder in die Tasten gehauen und eine nette, spannende Kurzgeschichte zum aktuellen Patch Blut und Verrücktheit veröffentlicht.

Kurzgeschichte zu Blut und Verrücktheit

Die Story im Spiel kommt Euch zu kurz? Ihr hättet gerne weitere Hintergrundinformationen zum aktuellen Geschehen? Kein Problem, die Kurzgeschichten, die ArenaNET regelmäßig veröffentlicht, vermitteln Euch immer noch ein Stück mehr Infos.

Also, lehnt Euch zurück und genießet diese durchs spannende Kurzgeschichte.

GW2 MitarbeiterArenaNET zu Kurzgeschichte (Quelle)

Familienangelegenheiten

Als die dritte Nacht hereinbrach, war die Volksmenge, die Schloss Thorn umringte, so dicht, dass ihre Lagerfeuer bis zum Fluss reichten und eine Konstellation aus Scheiterhaufen bildeten, die so weit wie König Oswalds Auge reichte.

„Ich hatte versprochen, dass meine Stullenbäume die Antwort auf diese Hungersnot bringen würden“, knurrte Oswald. „Sie beklagen sich doch über die Hungersnot, nicht wahr?“

Dribbin, der betagte Ratgeber des Königs, spürte, wie sich ihm die Kehle zuschnürte. Der König hatte keinerlei Bedenken, Ratgeber, die ihm schlechte Nachrichten unterbreiteten, zu enthaupten.

„Euer Bestreben, das Volk zu verköstigen, indem Ihr Wurst, Käse und Brot auf dem Gelände zur Verfügung stellt, war durchaus beherzt, Majestät. Doch hier geht es um eine andere Angelegenheit. Eurem Sohn ist ein weiteres … Missgeschick unterlaufen.“

„Was? Wie ist es ihm gelungen, sich zu befreien?“

„Die Wachen schweigen, Majestät. Wie es scheint, hat er ihnen die Zungen abgebissen, ehe er das Dorf Pelchalice niederbrannte. Sechshundert Seelen. Das war bereits das fünfte Massaker der Saison.“

Oswald wurde kreidebleich. Angesichts dieser Kunde lief es selbst dem berüchtigten „Verrückten König von Kryta“ kalt den Rücken hinunter.

„Gerüchten zufolge geht es um eine Frau. Die Kunde von Pelchalice hat das Volk erschüttert. Es fürchtet, Ihr hättet den Verstand verloren …“

Der Verrückte König blickte Dribbin mit hochgezogener Augenbraue an.

„Was ich damit sagen will, Majestät, ist, dass die Menge fürchtet, Ihr hättet Eure gewöhnlichen königlichen Vorlieben zugunsten eines rein animalischen Gemetzels aufgegeben.“

„Wo ist mein Sohn?“

„Er hält sich in Eurem Thronsaal auf, Majestät.“

„Unverfrorenes Balg“, seufzte Oswald. „Ich kümmere mich selbst darum. Und findet heraus, warum die Stullenbäume erfolglos waren!“

Dribbin verneigte sich.


Oswald riss die Türen zum königlichen Thronsaal auf. Seine Stimme dröhnte, als er die weitläufige, vergoldete Halle durchquerte. „Du willst ein Weibsbild dazu bringen, dich zu lieben, Eddie? Dann nimm doch ihren Vater als Geisel, anstatt ein ganzes Dorf umzubringen. All meine Lektionen scheinen bei dir auf taube Ohren gestoßen zu sein.“

Prinz Edrick Thorn saß zusammengesunken auf dem Thron. Er war ein schlacksiger junger Mann von knapp zwanzig mit in Spitzen abstehenden Haaren und pechbeschmierten Lippen und Augen. Wie alle privilegierten jungen Männer seines Alters hatte er zwei Gesichtsaudrücke auf Lager: mürrisch und hämisch.

„Du weißt ganz genau, dass ich es nicht mag, wenn du mich Eddie nennst. Ich heiße Edrick“, meinte er mürrisch. „Oder ‚der Blutige Prinz‘.“

„Nicht schon wieder. Das ist genauso peinlich wie damals, als du dich ‚der Fürst der Schmerzen‘ nanntest. Außerdem bist du hier nicht der König, also runter von meinem Thron.“

„Nachdem ich eines Tages deinen Platz einnehmen soll, wäre es besser, wenn ich mich an die Insignien der Macht gewöhnen könnte.“ Edrick saß auf dem Thron und grinste seinen Vater an. „Davon abgesehen kannst du einfach nicht wissen, wann dein letzter Tag als König kommt.“

„Warum Pelchalice? Perfekte Methode, um eine rasende Menge auf den Plan zu rufen. Was dir auch gelungen ist. Töte nie, es sei denn, es ist Teil des Scherzes, mein Junge.“

„Der Scherz hier bist du. Und das gilt auch für die Pointe. Ich dachte, das wüsstest du zu schätzen.“

Oswald hielt mitten im Schritt inne. „Was ist so lustig daran, wenn meine Untertanen das Schloss stürmen wollen?“

„Dass ich sie hergebracht habe. Jahrelang hast du mit deinen Untertanen gespielt, sie zur Zielscheibe deines Spotts gemacht. Es erschien mir als die perfekte Art, deiner Herrschaft ein Ende zu machen und meine zu beginnen. Ich habe deinen Ruf ausgenutzt, um deinen Sturz in die Wege zu leiten.“

König Oswald knurrte, packte den Prinzen und riss ihn vom Thron. Als der Junge auf dem polierten Boden landete, warf sich Oswald auf ihn und bohrte einen Finger in das angemalte Gesicht des Jungen.

„Ich habe meine Untertanen gehäutet, verbrannt, gekocht, aufgespießt, gebrochen, ausgeblutet, ausgeweidet, zertrampelt, eingefroren und katapultiert! Doch immer als Teil eines wunderbaren Scherzes. Überschwemmtes Land? Nagle Stelzen an die Beine aller Bewohner! Jahrhundertschneesturm? Feuere brennende Trümmer auf die Dörfer, damit ihnen warm ist. Meine Untertanen bedeuten mir etwas. Du willst nur Blut an deiner Klinge sehen. Als Thorn bist du ein echter Versager.“

„Bist du jetzt fertig?“ Edrick grinste hämisch. „Der Pöbel draußen ist es nämlich noch nicht. Tritt ab und ich werde sie vertreiben. Sonst werde ich dich an Ort und Stelle töten und sie glauben lassen, dass ich ihrem Verrückten König ein Ende bereitet habe. So oder so wird mir bei Tagesanbruch der Thron gehören. Du wirst mit der Zeit in Vergessenheit geraten.“

Oswald ließ seinen Sohn los und wich zurück.

„Ein interessantes Angebot, Sohn. Eines … das auszuhecken ich dir nicht zugetraut hätte. Gib mir bis zum Morgengrauen, um meine Entscheidung zu treffen.“

„Nein, Vater. Keine Tricks.“

„Dann einen Aufschub. In der Krypta befindet sich ein ganzes Arsenal von Waffen. Seltene ascalonische Langschwerter, die niemals stumpf werden, ein kompletter handgeschmiedeter Satz der Sonnenrüstung der Großen Dynastie. Sieh dir zumindest an, was du erben wirst.“

Edrick lief das Wasser im Mund zusammen. „Geh voran, Vater.“


Als sie die Krypta betraten, erwartete sich Edrick den Anblick exotischer Waffen und Rüstungen. Doch stattdessen sah er in den flackernden Reihen schwachen Kerzenlichts eine kunstvoll verzierte Metalltruhe, die groß genug für einen Mann war.

„Enttäuscht?“, fragte Owald. „Dann verstehst du jetzt, wie es mir mit dir geht.“

„Du hast mich hereingelegt!“

„Du warst schon immer leicht für dumm zu verkaufen. Ich habe aber tatsächlich etwas für dich. Von dieser Truhe hast du vermutlich schon gehört.“

Auf Edricks Gesicht machte sich ein neuer Ausdruck breit: Angst. „Die Kapsel des Wahnsinns.“

„Habe ich sie so genannt? Ein schrecklicher Name. Ich werde mir später einen neuen ausdenken.“

„Der Letzte, den du darin eingesperrt hast, hat sein eigenes Gesicht aufgegessen.“

„Ehrlich gesagt sah er danach besser aus.“ Oswald packte seinen Sohn, trat ihm mit voller Wucht in die Knie, und Edrick sank zu Boden. „Ich hasse es, wenn ich Scherze erklären muss, in diesem Fall mache ich aber gern eine Ausnahme. Jeder andere, der mich auf diese Weise bedroht hätte, wäre öffentlich für Landesverrat exekutiert worden. Aber nein, dadurch würdest du Berühmtheit erlangen. Für dich habe ich etwas viel Übleres geplant.“

„Ich werde da drin den Verstand verlieren!“

„Vielleicht macht dich das ja endlich zu einem echten Thorn. Ach, ein kleiner Abschiedsschmaus für dich.“ Oswald griff in seine Tasche und stopfte seinem Sohn eine Handvoll Candy-Corn in den Mund, ehe er ihn in den Schrein stieß und den Deckel zuschlug. Danach rief er nach Dribbin, der mit einem uralten Folianten in der Hand in den Raum gerannt kam.

Nachdem Dribbin zu seinem Sprechgesang angesetzt hatte, schlangen sich Ketten um den gesamten Schrein. Als er fertig war, war die Truhe vollkommen umwickelt.

„Greift sie bloß nicht ohne Handschuhe an, Majestät“, warnte Dribbin. „Der Schutz verzehrt jeden, der die Truhe berührt. Majestät, es liegt mir fern, zu bezweifeln …“

„Schicke sie nach Istan“, befahl Oswald. „Meine verschiedene Gattin Zola hatte dort ein Anwesen auf einer einsamen Insel. Soll doch die Sonne vertrocknen, was vom Verstand meines Sohnes noch übrig ist. Ach, und Dribbin … sendet Eure Schreiber in die Archive und lasst sie jede Erwähnung meines Sohnes löschen.“

„Majestät, ein solches Unterfangen erfordert Zeit. Ich bin mir nicht sicher, ob uns dies gelingen wird, ehe die Tore nachgeben. Die Wachen und Eure Höflinge sind bereits geflohen. Wir sind allein und schutzlos.“

Oswald türmte sich über dem Ratgeber auf. „Was der Verrückte König sagt gilt! Selbst, wenn dieses Schloss fallen sollte, wird dieses Versagen nichts mit meinem Sohn zu tun haben.“


Bei Tagesanbruch fanden sich Dribbin und seine Schreiber erneut im Thronsaal mit König Oswald ein.

„Die Aufzeichnungen sind gesäubert, Eure Majestät. Ganz so, als hätte Euer Sohn niemals existiert.“

Oswald überblickte die Menge, die durch die gerade gestürmten Tore strömte. Es war nur noch eine Frage der Zeit.

Dribbin fügte hinzu: „Ich wage zu behaupten, dass die einzigen, die wissen, was ihm zugestoßen ist, sich in diesem Raum aufhalten.“

Der Verrückte König lächelte, zog sein Schwert und beäugte Dribbins Kehle.

„Wo Ihr es schon selbst erwähnt …“


Edricks Reliquiar kam nie in Istan an. Es wurde von einer Folge von Kriegsherren, Glücksspielern, Priestern und Dichtern, die allesamt von einem schrecklichen Schicksal befallen wurden, gestohlen und erneut gestohlen. Die Legende um ihn zog Gelehrte der Nolani-Akademie an, die das Reliquiar studierten, bis ein Krieg die Akademie zerstörte.

In den Ruinen schlummerte es jahrelang dahin. Dann, eines Tages, grub sich eine unternehmungslustige Gelehrte ihren Weg in eine Kammer, wo sie eine in Ketten gewickelte Truhe fand.

„Aber hallo“, sagte Magistra Tassi, als sie sich der Truhe näherte. „Was haben wir denn da?“

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